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Projektfinanzierung

projektfinanzierung

Der Begriff Projektfinanzierung steht im Kontext der Geld und Kapitalmärkte für eine spezielle Disziplin der Finanzierung. Projektfinanzierung ist die Finanzierung eines Wirtschaftsgutes (Asset), bei der sich der Kreditgeber vorwiegend an den Cashflows dieses Assets als Quelle der Rückführung der Finanzierung orientiert. Das Asset selbst stellt die Gegenüberstellung Unternehmensfinanzierung – Projektfinanzierung primäre Sicherheit dar. Der Kreditgeber hat dabei keinen oder nur eingeschränkten Rekurs auf die Projektsponsoren.


Projektfinanzierungen werden auch als „cashflow-based, limited-recourse (oder non-recourse) project finance“ bezeichnet.

Bei klassischen Unternehmensfinanzierungen entsteht das Kreditverhältnis unmittelbar zwischen dem Unternehmen und der Bank (bzw. im Fall einer Anleihe den Investoren), mit entsprechendem Ausweis auf der Passivseite der Bilanz des Unternehmens. Bei Projektfinanzierungen wird die Finanzierungsvereinbarung zwischen der Bank und der Projektgesellschaft abgeschlossen. Die Finanzierung erfolgt damit außerhalb der Bilanzen („off balance sheet“) der Projektsponsoren, die damit nicht (non-recourse) oder nur eingeschränkt (limited-recourse) für die Finanzierung haften.

Bei Unternehmensfinanzierungen gibt es für die Banken in der Regel eine Bilanzgeschichte der Unternehmen. Damit lassen sich Kreditrisiken und Bonitätsentwicklungen leichter einschätzen. Demgegenüber wird die Bonität bei Projektfinanzierungen maßgeblich durch die Qualität der Verträge zwischen Lieferanten, Eigentümern etc. und der Projektgesellschaft bestimmt.

Ein zentrales Risiko bei Projektfinanzierungen ist das Fertigstellungsrisiko. Nur im Falle der Abnahme eines funktionsfähigen Assets durch den Auftraggeber wird die Ertragsbasis für die Rückführung der Finanzierung sowie des Kapitaleinsatzes der Projektsponsoren und Investoren geschaffen.

 

Projektfinanzierungen weisen daher folgende Merkmale auf:

• Projektgesellschaft

Die Projektsponsoren gründen zum Zweck der Projektdurchführung und Finanzierung eine Projektgesellschaft in Form einer Ein-Zweck-Gesellschaft (Special Purpose Company). Ihr Unternehmensgegenstand besteht ausschließlich in der Realisierung und Bewirtschaftung des dem Projekt zugrunde liegenden Investitionsvorhabens. Daher ist sie Kreditnehmerin der Projektfinanzierung.

• Risikoallokation

Im Rahmen einer Risikoanalyse werden die mit dem Projekt verbundenen Risiken identifiziert, umfassend strukturiert und anschließend auf die Projektbeteiligten verteilt.

• Kreditfinanzierung auf Cashflow-Basis

Die Rückführung der Finanzierung erfolgt aus dem Cashflow der Projektgesellschaft (und damit des Projektes). Die Rückführbarkeit der Kredite hängt damit von der Wirtschaftlichkeit
des Projektes ab.

• Off Balance Sheet-Charakter

Die Besicherung für die Finanzierung erfolgt aus den materiellen und immateriellen Vermögensgegenständen der Projektgesellschaft. Die Projektsponsoren übernehmen entweder keine (non-recourse) oder nur eingeschränkt (limited-recourse) Haftungen für die Projektkredite. Die Finanzierung erfolgt damit außerhalb der Bilanzen der Sponsoren.

Die Projektfinanzierung findet insbesondere in kapitalintensiven Industriezweigen Anwendung. Dazu gehören die Rohstoff- und Energiegewinnung, der Anlagenbau, die Telekommunikation und die Verkehrsinfrastruktur. Vornehmlich in Branchen, in denen Projekte die besten Chancen haben, nach ihrer Vollendung genügend Cash-flow zur Bedienung des Schuldendienstes zu erwirtschaften.